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Studien zur Eizellkonservierung

Wie eigentlich immer bei Veröffentlichung neuer Verfahren, technischer Fortschritte oder wissenschaftlicher Entwicklungen, stellt sich eine Studienlage logischerweise zunächst einmal als dünn dar. Insbesondere wenn es sich dabei um Neuerungen handelt, deren Erfolgsversprechen faktisch erst in der Zukunft eingehalten und damit überprüfbar, werden können. In Bezug auf Nachhaltigkeit und den Erfolg von fruchtbarkeitserhaltender Behandlung mittels Einfrieren von Eizellen stützen neuere Studien und Methoden allerdings immer sicherere Prognosen.

Auch wenn in Deutschland die Kryokonservierung von Eizellen bislang nur in Einzelfällen, z.B. bei jüngeren Krebspatientinnen vor Strahlen- oder Chemotherapien, angewandt worden ist, hat sich in anderen Ländern bereits eine Vielzahl von Frauen dieser Methodik anvertraut. Das Gute daran ist, dass man dadurch auf mehr Informationen und Erfahrungen zugreifen kann, die sich mittlerweile auch in der Veröffentlichung internationaler wissenschaftlicher Studien niederschlägt.

So bestätigte die 2010 von der Universität von Valencia, Spanien, veröffentlichte Studie(*1) die Wirksamkeit der Anwendung von Kryokonservierung in ihrem Eizell-Spende Programm. Die Studie ging mit 600 Eizellempfängerinnen der Frage nach, ob die Verwendung frischer Eizellen einer Verwendung vitrifizierter, also kryokonservierter, Eizellen überlegen, und daher vorzuziehen, sei.
Anhand der erreichten fortlaufenden Schwangerschaftsraten (OPR) konnte allerdings keine erkennbare Überlegenheit der nicht-vitrifizierten gegenüber den zuvor vitrifizierten Eizellen abgeleitet werden!
Was das Ärzteteam zu der Schlussfolgerung veranlasste, dass „diese Ergebnisse von einer Bedeutung und Tragweite sind, dass sie angetan scheinen, ganz neue Perspektiven in der Reproduktionsmedizin (ART) zu eröffnen“!

Studie (*1)
Use of cryo-banked oocytes in an ovum donation programme: a prospective, randomized, controlled, clinical trial
Ana Cobo, Marcos Meseguer, José Remohí and Antonio Pellicer
Instituto Valenciano de Infertilidad (IVI), University of Valencia, Valencia, Spain
aus: Human Reproduction, Vol.25, No.9 pp. 2239–2246, 2010
Original Article: Embryology,     Zur Original-Studie

Eine weitere wegweisende Studie(*2) ebenfalls im Jahre 2010 von einer Fortpflanzungsmedizinischen Klinik, in Rom, der Clinica Valle Giulia, veröffentlicht. Bei deren Fragestellung war allerdings die Verwendung vitrifizierter Eizellen bereits zur methodischen Grundvoraussetzung gemacht worden und man wollte vielmehr erkunden, ob sich hinsichtlich der anschließenden Befruchtung der virtifizierten gegenüber der Befruchtung nicht-vitrifizierter Eizellen, Erfolgsvorteile herausstellen würden. Die Befruchtung geschah jeweils durch ICSI (Eizellinjektion der Spermien).
Die klinischen Ergebnisse bei 40 behandelten Frauen zeigen Vielversprechendes:
Mit beiden Methoden lassen sich nahezu deckungsgleiche Erfolgsquoten mit Überlebensraten von MII-Oozyten (Metaphase II-Eizellen) von bis zu 96% erreichen.
Diese exzellenten Befruchtungsraten von zuvor vitrifizierten Eizellen stellt damit allerbeste Grundvoraussetzung für eine hohe Schwangerschaftserwartung dar.
Allerdings mit dem Vorteil, dass die Vitrifikations-ICSI auch dann noch erfolgsversprechende Schwangerschaften in Aussicht stellt, wenn nur eine begrenzte Zahl von Eizellen zur Verfügung steht.

Studie (*2)
Embryo development of fresh ‘versus’ vitrified metaphase II oocytes after ICSI: a prospective randomized sibling-oocyte study
Laura Rienzi, Stefania Romano, Laura Albricci, Roberta Maggiulli, Antonio Capalbo, Elena Baroni, Silvia Colamaria, Fabio Sapienza and Filippo Ubaldi
G.E.N.E.R.A. Centre for Reproductive Medicine, Clinica Valle Giulia, via de Notaris 2B, Rome, Italy
aus: Human Reproduction, Vol.25, No.1 pp. 66–73, 2010
Original Article: Embryology,     Zur Original-Studie

Sowohl der Studie(*1) aus Valencia, als auch der Studie(*2) aus Rom unterliegen dabei einer Methodengleichheit in der Vorbereitung der Eizellen auf die Kryokonservierung (also die Tiefgefrierung bei etwa -194°C ) - und dies verdient Beachtung.
Beide Institute gaben für das Tieffrieren, wie für das Auftauen der Eizellen die Methode der Vitrifikation an, also des blitzschnellen Einfrierens der Zellen nach vorausgegangenem Wasserentzug, um das Auskristallisieren der Zellflüssigkeit zu verhindern. Im Gegensatz hierzu fand in der Vergangenheit zumeist die Methode des slow-freezing Anwendung, also des langsamen Tiefgefrierens der Zellen.

Doch auch in Bezug auf die Motivation von Frauen zwischen 21 bis 40 Jahren über deren Einstellung oder Absichten hinsichtlich der Möglichkeit der Konservierung ihrer Eizellen, ergab die Befragung von 1024 gesunden Belgierinnen, durchgeführt von einem Reproduktionsmedizinischem Zentrum der Universität Brüssel, Pragmatisches. Nachdem ihnen diese Option eröffnet wurde, zeigte sich, dass ein bedeutender Anteil (31,5%) von ihnen fruchtbarkeitserhaltende Massnahmen in Erwägung ziehen würde, zumindest aber dem Gedanken der Fruchtbarkeitserhaltung durch Einfieren eigener Eizellen (16,7%) gegenüber offen seien.

Eine weitere Befragung desselben Instituts in Brüssel von 15 Frauen mit dem Wunsch nach Eizellkonservierung hinsichtlich deren vorrangiger Begründung ergab folgendes Bild:
An erster Stelle stand danach die Absicht, Druck aus der Suche nach einem geeigneten Partner als potentiellen Kindvater nehmen zu wollen, neben dem Anliegen, einer künftigen Partnerschaft mehr Zeit lassen zu wollen, bevor man sich dem gemeinsamen Kinderwunsch widmet. Ein Drittel der Befragten gab ab eine Versicherung gegen eine künftige Unfruchtbarkeit bilden zu wollen. Allen 15 war gemeinsam, dass sie bei Befragung gesund und fruchtbar waren, und dass sie die entsprechende Behandlung ggfs. auch mindestens noch zweimal wiederholen würden.

A survey on the intentions and attitudes towards oocyte cryopreservation for non-medical reasons among women of reproductive age
D. Stoop, J. Nekkebroeck, and P. Devroey
Centre for Reproductive Medicine, Universitair Ziekenhuis Brussel, Vrije Universiteit Brussel Laarbeeklaan 101, B- 1090 Brussels, Belgium
aus: Human Reproduction, Vol.26, No.3 pp. 655–661, 2011
Original Article: Psychology and counselling,     Zum Original-Abstract

Eine Untersuchung unter den Studenten der University of Leeds, vorgenommen vom Leeds Center for Reproductive Medicine, Leeds, UK, ergab, dass sich eine große Zahl Studentinnen auf eine Kryokonservierung einstellen würden, wenn dadurch die Kombination aus erfolgreicher Karriere und Mutterschaft besser gewährleistet werden könne. Weshalb Dr.Gorthi und ihr Team auf die Dringlichkeit hinweist, junge Frauen rechtzeitig auch auf ihre „biologische Uhr“ aufmerksam zu machen, damit sie hinsichtlich ihrer künftigen Fortpflanzung kompetent Entscheidungen treffen können.

Die Befragung erbrachte auch eine Reihe weiterer Motive um auf die Option einer Eizellkonservierung zuzugreifen.
Für das Aufschieben des Wunsches nach Familiengründung gaben zwei Gruppen von 98 Medizin-Studentinnen (Gruppe A), sowie 97 Sport- und Erziehungs-Wissenschafts-Studentinnen (Gruppe B) folgende Gründe an - wenn auch in unterschiedlichen Gewichtungen:
Gruppe A: überwiegend karrieretechnische Gründe, gefolgt vom Fehlen der finanziellen Sicherheit, der Verehelichung oder zumindest der stabilen Partnerschaft.
Bei Gruppe B hingegen stand die mangelnde finanzielle Sicherheit an erster Stelle, gefolgt von fehlender stabiler Partnerschaft und dann erst den karrieretechnischen Gründen.

Is egg freezing for social reasons a good idea? What young women really think?
S. Gorthi, C. Wright, A.H. Balen
Leeds Teaching Hospitals NHS Trust, Reproductive Medicine and Gynaecology, Leeds, United Kingdom
aus: Human Reproduction, Vol.25, 2010,     Zum Original-Abstract